01.04.2009 von Jens Koenen In den Fliegern der Airlines herrscht derzeit gähnende Leere. Vor allem in der gewinnträchtigen Business-Class werden deutlich weniger Tickets verkauft. Firmen fliegen in der Krise lieber Economy oder gar nicht. Die Luftfahrtbranche hofft auf den Sommer - offenkundig vergeblich. Die Sommersaison ist für die Fluggesellschaften und deren Bilanzen enorm wichtig. In der Zeit zwischen Frühjahr und Herbst wird in der Regel nicht nur deutlich mehr geflogen als in der kühlen Jahreszeit. Es ist traditionell auch die Periode, in der die Luftfahrtunternehmen das meiste Geld einfliegen. Angesichts dessen tun sich viele Anbieter derzeit noch schwer mit drastischen Kapazitätskürzungen. Zudem droht die Gefahr, dass sich Rivalen die dann freiwerdenden Verkehrsrechte dauerhaft schnappen. Noch am stärksten greift Air France-KLM, Branchenprimus in Europa, zum Rotstift. Die Airline hat ihr Angebot für die Sommermonate um 3,4 Prozent nach unten gefahren. Dabei sind die Lang- und die Mittelstrecke in gleichem Maße von den Kürzungen betroffen. Der Rivale British Airways wird die Kapazitäten um rund zwei Prozent reduzieren. Nach wie vor recht zuversichtlich ist dagegen Lufthansa. Der Kranich hat sein Angebot gerade einmal um 0,5 Prozent beschnitten. Allerdings sind einzelne Bereiche weitaus stärker betroffen, etwa das Europa-Geschäft mit minus 2,2 Prozent sowie die Flüge ab Frankfurt mit minus 1,7 Prozent. Dagegen geht Air Berlin mit einem um drei Prozent reduzierten Sitzplatzangebot ins Rennen, kalkuliert aber bei der Passagierzahl bereits mit einem Rückgang um vier bis fünf Prozent. Trotz dieser Kürzungen: Die Planung der großen Carrier sind ambitiös und könnten schon bald überholt sein.Schon der Jahresauftakt war alles andere als gut. Nach Berechnungen des Weltluftfahrtverbands IATA hat sich der Einbruch im weltweiten Passagiergeschäft zuletzt noch beschleunigt, von minus 5,6 Prozent im Januar auf minus 10,1 Prozent im Februar. Auch bei der Fracht geht es weiter bergab. Schlug schon im Januar ein Rückgang um 23,2 Prozent zu Buche, waren es im Februar nochmal 22,1 Prozent. Entsprechend skeptisch ist die Deutsche Flugsicherung (DFS) für die kommenden Monate. Seit Jahresanfang registrierte sie im deutschen Luftraum immerhin zehn Prozent weniger Flugbewegungen. Dieter Kaden, der Geschäftsführer der DFS, ist sich relativ sicher, dass das längst noch nicht alles war. „Ich glaube, das ist noch nicht der Bodensatz. Ich hoffe, dass der Rückgang nicht noch zweistellig wird“, warnt er vor allzu großen Hoffnungen auf bessere Zeiten im Sommer. Flaute signalisieren auch die aktuellen Prognosen einzelner großer Flughäfen. Das Management des Amsterdamer Flughafens Schiphol etwa, eines der großen europäischen Drehkreuze, rechnet für die kommenden Monate mit einem Rückgang des Verkehrs um sechs bis zehn Prozent. Im Frachtbereich sei sogar ein Minus von 15 Prozent möglich. Etwas weiter östlich, in Frankfurt, kalkuliert der Betreiber Fraport für den Sommer mit einem Minus von vier Prozent. Das ist zwar ein verhältnismäßig geringer Rückgang, ist allerdings vor allem darin begründet, dass mit Airlines wie etwa Pakistan International Fluggesellschaften nach mehreren Jahren der Abstinenz wieder in die Main-Metropole zurückkehren. In München wiederum scheut Flughafen-Chef Michael Kerkloh eine konkrete Prognose für die kommenden Monate. „2009 dürfte schwierig werden“, sagt er und spricht lieber von einer „Delle im langfristigen Wachstum“. Doch auch sein Jahresauftakt war bitter. Im Januar brach die Zahl der über München beförderten Passagiere um zehn Prozent ein. Angesichts dessen dürfte es für viele europäische Fluggesellschaften schwer werden, die im Sommer angebotenen Sitze zu füllen. Jenseits Europas haben die ersten Airlines das drohende Ungemach erkannt und versuchen gegenzusteuern. Dort ist ein wahres Wettrennen um Lockangebote entbrannt. Ziel ist es vor allem, die margenträchtige Business- und First-Class auszulasten. So hat American Airlines Mitte März angekündigt, die Bonusmeilen für die Vielreisenden zu verdoppeln. Doppelte Meilen gibt es zudem für jeden, der in der Ersten oder der Business-Klasse nach Großbritannien reist. Die Aktion fand Beifall, vor allem bei der Konkurrenz. Mittlerweile bieten United Airlines und Continental Airlines ähnliche Programme an. Auch über die direkten Ticketpreise versuchen die Airlines die Kunden zu locken. Die australische Qantas bietet zum Beispiel Flüge von Australien in die USA für lediglich 299 bis 399 Dollar an. Bei United Airlines wiederum ist es möglich, für schlappe 119 Dollar nach Moskau zu fliegen, Continental verlangt für die Strecke Chicago-Dublin bescheidene 147 Dollar, jeweils allerdings ohne Gebühren und Steuern, die noch hinzu kommen. Doch in der Branche wächst die Skepsis, ob solche Maßnahmen ausreichen werden, um den Rückgang der Nachfrage zu kompensieren. Am Ende werden viele Airlines wohl nicht umhin kommen, ihre Kapazitäten noch einmal drastisch anzupassen. IATA-Chef Giovanni Bisignani warnt seit längerem davor, dass die Airlines ihre Kapazitäten nicht schnell genug anpassen. „Es wird immer entscheidender, wie schnell und gut man auf die Situation im Markt reagieren kann“, weiß auch Joachim Hunold, Chef von Air Berlin, um die derzeit wohl größte Herausforderung für Luftfahrt-Manager.






