Boeing will seinen neuen Langstreckenjet 787 "Dreamliner" weiterhin spätestens im Juni in die Luft bringen. Der Erstflug sei nach wie vor für das zweite Quartal geplant, teilte das Unternehmen am Sonntag in Everett mit. Derweil geht eine Studie von weiteren Verzögerungen im Programm aus. Zudem werden die ersten Maschinen zu schwer sein, um die versprochenen Leistungen zu erreichen.
Nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche Teile der Flugzeugtechnik getestet wurden, sind für die nächsten Tage Treibstofftests geplant. "Wir machen große Fortschritte und kommen dem Erstflug näher", sagte der zuständige Boeing-Manager Scott Fancher. "Wir überprüfen weiterhin die Daten, aber die ersten Ergebnisse sind positiv."
Die für den Erstflug vorgesehene Maschine (ZA001) wurde bereits für weitere Vorbereitungen in die sogenannte "Flight Line" gebracht. Hier finden in den nächsten Tagen zahlreiche Tests statt, die den Flug simulieren. Dazu gehören neben Systemtests auch das Ein- und Ausfahren des Fahrwerks und aller Steuerflächen. Später soll die Maschine auch zum ersten Mal die Triebwerke anlassen und aus eigener Kraft am Boden manövrieren bis hin zu Hochgeschwindigkeits-Rolltest.
Studie: Weitere Verzögerungen wahrscheinlich
Derweil berichtet das US-amerikanische Branchenmagazin "Air Transport World", dass sich die Auslieferung der ersten Maschinen weitere sechs Monate hinauszögern könnte. Zudem würden die zunächst produzierten Einheiten bis zu 15 Prozent weniger Reichweite aufweisen, als zunächst angekündigt.
Das Magazin zitiert dabei eine Studie des "Bernstein Research" Instituts, die bereits zuvor fünf Studien zum Boeing-787-Fortschritt veröffentlicht hatte. Bernstein kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Boeing bis Mitte 2013 nicht die angepeilte Produktion von zehn Einheiten pro Jahr schaffen wird. Das bedeutet sechs weitere Monate Lieferverzug für etliche Airlines. Auch die für das erste Quatal 2010 geplante Erstauslieferung an ANA sei gefährdet.
Zudem ist die Boeing 787 der Studie zufolge weiterhin rund acht Prozent zu schwer. Als Folge würden die ersten ausgelieferten Maschinen um die zehn bis 15 Prozent an Reichweiter einbüßen. Substanzielle Designanpassungen seien notwendig, um das Gewichtsproblem in den Griff zu bekommen. Dies sei auch ein Zulieferer-Problem.
Die Studie nennt den von Boeing vorgelegten Zeitplan für die Zertifizierung des Dreamliners insgesamt "eine Herausforderung". Insgesamt sind die Tests mit sechs Maschinen auf achteinhalb Monate angelegt. Selbst wenn es gelinge, sechs Flugzeuge für die Flugstest rechtzeitig in die Luft zu bekommen, sei es sehr wahrscheinlich, dass die neuen Materialien und Technologien etliche "Überraschungen" mit sich bringen, die den Zertifizierungsprozess weiter aufhalten könnten. Die Flugzeuge sollen zusammen weltweit mehr als 3000 Stunden in der Luft sein.
Boeing liegt mit der 787 bereits zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Auch Airbus kämpfte beim geplanten Konkurrenzmodell A350 XWB mit Verzögerungen, will nun aber wie zuletzt geplant 2013 fertig sein.






